Der geteilte Garten – a (green )room of one’s own – tag 10

Wieviel ist ein Garten Wert, der nicht begangen werden darf? Für wen darf der Garten etwas wert sein, wem darf er Raum sein? (Aus Sicht der Gärtnerin, der Hegenden und Pflegenden).

Ich hadere damit, dass ich mich naturgemäß im Garten am Wohlsten fühle, so dass jeder, der sich auch darin aufhält , von mir auf Schritt für Schritt beobachtet wird und ihm ein Bedrohungsgrad seiner Gegenwart für meine Entspanntheit zugeordnet wird.

Die Verbindung zu Pflanzen spürt sich manchmal inniger an, als die mit Menschen. Es gibt auch keine Scham wie zwischen Menschen. Heute im Obstgeschäft, ich holte nur schnell ein Kilo Kartoffeln und 2 Handvoll Spinat, erschrak ich richtig, als der Besitzer, ein schweigsamer Typ mich grüßte „ça va ?“ und noch mehr, kurz lächelte ( mich also wieder erkannte). Das ist schon viel an Worten, noch dazu an eine Ausländerin wie mich gerichtet.

Ich war etwas verlegen und freute mich, als ich wieder zurück in den Garten konnte, wo allerdings der eine Mensch ( meines Naheverhältnisses) die Hecke schnitt, damit dem anderen (benachbarten) Menschen die Sicht auf den Dorfplatz nicht zuwachsen würde. Ich achtete auf jedes Fallen der einzelnen Zweige, und es durchzuckte mich, wenn ich die Spuren von Gewalt des Lorbeerschneiders entdeckte. Das auf der Leiter eingeklemmte und zermalmte Blatt der Hortensie, die von Zweigen in Mitleidenschaft abgeschossenen Blätter der Königskerze, die fürsorglich von einem Halbkreis Steine markiert ist!

Der andere, jüngere Mensch, möchte sich gerne als antiker Römer fühlen. Ich sollte dankbar sein, dass er nicht nach Ablenkung durch Beschäftigung durch uns oder das Glotzen von Videos verlangt. Und bin soweit Familienmensch, dass ich ihn seine Pallisaden unter dem Klebsamenstrauch errichten lasse. Er ging dafür extra zum Nachbarn rüber und fragte ihn nach Holz und kam mit 10 zugeschnittenen Bambusstecken wieder. Solche großzügigen ( auch an offenen Ohren und Zeit) Nachbarn haben wir!! Vielleicht sind sie bis zum Sommer eingestürzt, dann kann ich an dieser Stelle wieder sitzen und schreiben.

Zuletzt soll der Garten noch Platz haben, für die entferntesten, aber lieben, eingeladenen Gäste, die sonst an der Brüstung des Balkons stehenbleiben und über das Grün des Gartens schauen, ohne ihn je zu betreten und seine Kuriosita zu entdecken. Es ist doch schade, wie viel ihnen entgeht und vieles davon, was mich berührt ihnen verborgen bleiben würde. Ich mich, mein Inneres, ihnen also auch nicht mitteilen kann.

Dieser Spagat zwischen “ Seele baumeln lassen“ und Interessen ausgleichen, Hilfe ihn Anspruch nehmen und Ansprüche runter schrauben. Die Übung besteht darin, überhaupt zuzulassen, dass jeder Mensch seine Umwelt und somit auch die Pflanzenwelt um sich herum durch seine eigene ihm innewohnende Wahrnehmungsbrille sieht und beurteilt und mag oder nicht mag.

Virginia Woolf’s „A Room of One’s Own“ – es ist ein Ort, den man sich immer wieder neu – ich will nicht schreiben – erkämpfen, aber aneignen muss. Und je mehr man teilt, umso weniger bleibt ein Rückzugsort, ein Fleckerl nur für sich. Den Katzen haben wir auf ihrer Route einen ( der vielen) Wege abgeschnitten. Früher gingen sie an den Malven vorbei, im Bogen um die Hortensien herum, um über die Stiege hüpfend , oder den morschen Maulbeerbaum hinauf zum Vogelnest der Meisen pirschend, oder bloß im Kirschlorbeer im Unterholz liegen zu bleiben. Dafür haben wir jetzt einen Kompost für Grünschnitt. Die Säcke, die wir seit zwei Jahren im Keller horten, weil der Fluss vor dem Haus ausgetrocknet, ohne Hochwasser, das unsere lästige Last mit sich reißen könnte, kein Feuer erlaubt, wegen Brandgefahr. Jetzt darf ihr Inhalt also wieder ans Tageslicht zurück.

So werden die Bereiche des Gartens immer kleiner derer, die keine andere Funktion erfüllen dürfen, als dass sie uns einen bloßen Anblick auf das Pflanzenwachstum und Kreuchen und Fleuchen seiner Bewohner gewähren. Was gibt es berührenderes als das Schauen und Staunen über Farben, Formen und alles, was vor uns kriecht und atmet, sich uns seine geniale Art offenbart. Diese Bereiche werden immer kleiner, wo der Garten sich selbst überlassen bleibt.

Die Experimente von Gemüse weichen dem großen Esstisch, damit alle Anteil nehmen können, zumindest an Erfrischung in der Hitze des Sommers. Vielleicht werden nicht alle am Tisch die Heuschrecken sehen, die auf dem Grashalm im Wind schaukeln, oder die Feuerwanzen, die sich Po an Po gepresst über die Steine paarend verschleppen. Nicht den Käfer, der klein wie eine Biene und anmutig wie ein Eisvogel sich für Sekunden in der Luft hält, um mit seinem spitzen Rüssel der Taubnessel in die fast geschlossene Blüte hinein fühlt, wo er sich den Nektar stiehlt.

Aber es wird gesellig sein, und der Garten ein Ort der Zusammenkunft. Der communio und Gespräche. Der Verbundenheit – in der äußeren Welt. Die innere für einen Moment auf der Seite stehend, auf ihre Zeit lauernd. Momente der Exklusivität werden es sein, wie die Tautropfen in der Früh alles benetzen und Feuchtigkeit schenken, wo den Rest des Tages sengende Hitze zugegen ist.

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