in der Nacht aufwachen, von einem körperlichen Schmerz, den man nicht spüren sollte. Aber so geschah es, und eine Zeit lang liegt man also hellwach neben seinem Mann, der schnarchend von all dem nichts mitbekommt.
Die ersten morbiden Gedanken tauchen auf ( wahrscheinlich zu viele Messen in den letzten Tagen, in denen man sich so ruhig verhalten musste. ) Amen! Ich sehe mich in meinem Geist so oft laut dazwischen rufen! Doch, Herr, ich bin aber würdig, komm bloß nicht in mein Haus.
Wie gerne würde die Nonne in mir, Jesus so innig lieben können, weil es nichts Größeres gibt. Und gleichwohl denke ich mir, in diesem Leben bin ich nicht die Nonne und der Bischof ist nicht Bischof, sondern mein Mann, und wir dürfen in dieser Zeit hier in Frieden leben. Und finden die heiligen Momente in anderen Momenten außerhalb der Kirche. Das schreibe ich dem Leben, falls ich eine Nonne im Mittelalter war, die für ihre ketzerischen Gedanken wahrscheinlich bestraft worden wäre. Mit ziemlicher Sicherheit. Also beides. Die Nonne und meine aufrührerischen Gedanken.
Nachtgedanken rasen im stickigen Schlafzimmer und als ich endlich aufstehe, mit meinem Schreibheft, rauschen sie hier im stillen Wohnzimmer in die Welt.
eine herrliche, luxeriöse Stunde, weil ich wach bin und die Anderen schlafen. Ich kann singen und muss mich dafür nicht im Wald verstecken. Wie schön!
Ich sitze in drei Decken gehüllt, denn die Heizung schaltet sich erst in der Früh ein, und schreibe alle Gedanken, die ich vorher im Bett hatte aufs Papier. Es fängt an mit der Grabrede, verwandelt sich zu einem Fest in einer aufgelassenen Fabrik. Um die zufällig eine schöne verwilderte Wiese und ein paar Obstbäume existieren. Rsvp. dresscode bequem, bring your Schlafsack. Und jemand spielt ein Instrument und wir tanzen und lachen und schließlich liegen wir in unseren Schlafsäcken um ein Lagerfeuer und erzählen uns alles, was wir uns immer schon sagen wollten und auch das, was uns immer in Erinnerung bleiben wird.
Am Anfang ist es eine Show und ein paar Zeilen weiter der Film, den ich nie erzählt habe. Es beginnt mit der Bühne, auf die ich mich vor meinem Abtritt endlich zu stellen wage, aber am Schluss sind es intime Gespräche mit den liebsten Freunden und Familie. Wir reden und lachen und weinen und genießen die Anwesenheit, die uns jetzt so kostbar erscheint, und die im Alltag so oft untergeht. Bis in den Morgengrauen. Wir lauschen andächtig den ersten Geräuschen der erwachenden Natur, die Amsellaute, lassen das Licht über uns hell ins Gesicht schimmern. Und schlafen ein. Glücklich erschöpft. Irgendwann zwei Stunden später wachen wir auf, es ist frisch, der Boden kalt und hart und ich gehe mit meinem Schlafsack zum Auto, um auf dem zurückgeklappten Sitz zu schlafen.
In der Wiese vor der Fabrik doch Sofas aufstellen ? Wieviele werden es sein ?
Es geht um die Erzählungen, die man noch mit der Welt teilen möchte. Die Phantasien, die man nicht gelebt hat. Die Wertschätzung für all die erfahrene Fürsorge und Liebe im Leben.
So werden aus grübelnden Nachtgedanken Ausblicke.
Die Nonne, die ich nicht bin, steht vom Sofa auf und geht zurück ins Bett zu dem Mann, der in diesem Leben ein Dichter ist. Wann traut er sich es allen zu verkünden? Wann traut sie sich ihr Leben so phantastisch wie im Film zu leben?

der Morgen graut

ein tüchtiger Jäger führt seinen Schoßhund aus, den seine Kinder nach der Freundin von Donald benannt haben. Die mit der rosa Schleife. Und den Hund seiner Schwiegereltern. Familienmensch durch und durch. Da sind wir uns ähnlich. Fast. Das Fast ist eine andere Geschichte. Der Schnee unter den bloßen Füßen fühlt sich schön an. Für ein paar Minuten beobachte ich das Treiben. Die Stille die war, ist nur mehr in der weiten Schneefläche gespeichert. Der eine ruft nach dem Hund, der über die Wiese fetzt, die Hausmeisterin aus Wien ruft noch im Pyjama stehend Guten Morgen. Die Rufe begegnen sich nicht und verhallen unerhört. Der Vater einen Stock darunter, der an Schlaflosigkeit leidet, hat sein Hörgerät noch nicht eingesetzt.









