
Hier ist ein Ort zum Sitzen und Warten. Meistens alleine. Man kann Kaffee trinken, der nicht nach Kaffee schmeckt und über die Kamelie draussen staunen, die im April bereits im verblühen ist, während die anderen Blumen sich gerade erst heraus wagen mit ihren kleinen hellgrünen Knospen.

Ich zapfe mir neugierig einen Café Viennoise aus dem Automaten. Hmm. Ich weiß nicht so recht. Undifferenziert. Ich grinse. Als ob es wichtig wär, was französische Automaten Hersteller als wienerisch interpretieren, aber ein Witz über Speisen und Getränke ist immer unverfänglich. Geht locker.Muntert auf. Fast. Provokativ in einem Raum, wo es leise und bedächtig zugeht. Keiner wird sich alleine einen Witz erzählen, während er die Infusionsflaschen auf dem Gestell neben sich herziehend, herum schlurft, mit dem Ziel vielleicht noch eine zu rauchen vor dem Haus. Ich weiß, dass allein meine Schritte dorthin zum Automaten in diesem Salle d’attente eine Abgrenzung darstellen. Zu den Leuten, die keinen Kaffee trinken dürfen, weil es ihr Magen nicht mehr verträgt, oder nicht vor der Chemo. Ich sitze neben meiner Freundin.

Sie ist seit mehreren Monaten mit Krebs konfrontiert. „Ich glaube immer noch, ich bin im falschen Film.“ sagte sie mir eben.
Wir reden lange am Abend. Wie geht das nochmal mit dem guten Ende schreiben? Was muss die Heldin alles erlebt haben, welche Wandlung vollzogen, damit sie am Schluss als Gewinnerin aus der ganzen Geschichte hervorgeht! Oder ist es einfach Glück?

Es fällt mir schwer, Worte zu finden, ja überhaupt Gedanken irgendeiner Spur von Richtung nachgehen zu lassen, weil es sich unehrlich anfühlt. Weil ich ja nicht echt betroffen bin, sondern nur daneben stehe. Und dennoch muss ich etwas schreiben, irgendetwas versuchen, was das ausdrückt, was diese Krankheit, die uns Freunde und Familie seit Monaten begleitet, ausgelöst hat, während wir unsere Freundin begleiten. Etwas, was herankommt an den Kern meiner Erschütterung. Heimtückische Arschloch – Krankheit!
Aha, während ich das schreibe, merke ich, da ist ganz viel Wut. Tränen laufen gerade über mein Gesicht. ( Und mein innerer Therapeut hat sich dazu geschalten, er wird mich gleich besänftigen und vertrauensvolle Sätze schreiben, die sich so weise und zuversichtlich anhören.)
Oder nicht.
Oder einfach durchatmen. Langsam ein und ausatmen.
Das tut gut, das wird besser.
Anerkennen, dass es so viele Unsicherheiten und Ungereimtheiten gibt im Leben. Wir können uns nur begleiten dabei. Das ist doch schon viel. Und die Momente von Schönheit und Zweisamkeit und absurden Momenten, die das Leben schreibt, wertschätzen. Vielleicht nur das. Ist doch schon viel, oder?
