Wie alt muss man werden, bis man aufhört Anerkennung zu suchen? Durch interessante Betätigungsfelder, originelle Berufe oder witzige Texte?
Wobei wäre jede Form der Einordnung eine Interpretation von außen. Und hier stellt sich die Frage, wie sehr orientiere ich mich an dem, was mein Umfeld von mir erwartet?
Wahrscheinlich ist alles, was man im Außen sucht, eine Suche nach etwas, das dieses emotionale Loch stopft, das Verdurste! Langeweile! Lieb mich doch und Sieh mich an! schreit. Ein passender Kork oder Deckel, damit wir uns halten können.
Es ist doch gut, nach etwas zu streben, wir können ja nicht alle in Seelenruhe in Höhlen oder heute Häusern sitzen, ohne Anstrengung, ohne aufeinander zu treffen, ohne Auseinandersetzung und Miteinander schaffen und erleben. Das Streben, das Suchen, vielleicht auch das Lernen und Verstehen wollen, es ist doch gut, dass es uns voran treibt, Neues entdecken lässt, aber es sollte nicht aus einem Mangel heraus erfolgen, sonst wird jede Lösung nur von kurzer Dauer sein. [Willkommen zur Küchenpsychologie-Stunde mit ihrem Host Sophie. Sophie, sagen Sie unseren Lesern und LeserInnen, wie der Hase läuft! Warum sind wir denn wirklich alle so unglücklich? „Ja, wussten Sie das nicht? Es ist der Mangel!“] Weil der Mangel, das Loch im Bauch [bemerken Sie dieses Ziehen, wenn Sie etwas ganz stark wollen, liebe Leser?], das doch immer nach „mehr, mehr“ schreit.
Wie wäre es mit einfach im Moment sein, so eine große Phrase und so schwierig, diese Momente zu Zeiträumen in meinem Leben zu machen! Wann gelingt mir das? Beim Yoga, während dem Schreiben, im Betrachten oder Spielen mit meinem Sohn, im Buddeln in der Erde, in der Fotojagd am Boden kriechend beim Insekten beobachten. Aber kann man mit all diesen Momenten Geld verdienen? Es gibt Leute, die werden bezahlt, für was sie lieben. Ich hatte auch eine Reihe interessanter bezahlter Arbeiten, und bin meistens über die Umstände und Bedingungen der Arbeiten gestolpert. Was, sie will nicht die drei Birken fällen für den Blockbuster Science Fiction Film? – aber wir zeigen die verödete Erde im Jahr 2100! Der Regisseur dachte sich vielleicht, ich sei mir zu gut dafür, aber ich teilte einfach seinen „Für meinen Film muss alles erlaubt sein“- sehr selbstbewussten Ansatz nicht. Für sein Selbstbewusstsein habe ich ihn bewundert, aber wenn ich mich entscheiden müsste, zwischen Natur oder Kunst, würde ich Natur wählen.
Nach Beendigung meiner (nie durchgestarteten) Karriere beim Film, meinen Hungerjobs in der Kulturbranche, die aber so spannend waren, mich bewegten, ich will es gar nicht leugnen, tarne ich mich mit einem grünen Netz in der Wissenschaft, gaukle vor, ich arbeite etwas Sinnvolles, die Welt bereicherndes und begnüge, vergnüge mich mit zehn Minuten schreiben täglich auf dem Blog und höre mir an was da so kommt. Obwohl ich seit wahrscheinlich 39 Jahren Geschichten schreibe, die meisten ohne Ende, kann ich mich nicht auf ein Thema – DAS Thema festlegen oder konnte es nicht. Etwas, was so viel Material erfordert, dass man länger darüber schreiben könnte. (Anthropozän verzeih!) Ich habe mehrere Theorien dazu, warum das so ist.
- vielleicht ist das Schreiben für mich weniger eine Form des Erzählens und Mitteilens, sondern meine Art, meine Gedanken zu ordnen, Stück für Stück wie Fritatten aus der Suppe auf den Löffel geschaufelt werden, von dem sie wieder runterrutschen und ich beobachte das ganze Spiel.
- vielleicht bin ich eine Kurz-Schreiberin! Kurze Texte und Formate.
- oder – hier kommt wieder die Anfangs-Vermutung, der Schmerz der mit Anerkennung verbunden ist, weil sie ausbleiben könnte oder uns das Urteil nicht gefallen könnte, vielleicht habe ich mich bislang noch nicht auf ein Thema eingelassen, weil es etwas sein könnte, das mir wichtig ist und nahe am Herzen liegt. Das hat zu tun mit Persönliches teilen und Sichtbar sein, verletzlich dann eben auch.
- Wobei halt! Es gibt da doch den so wichtigen Arbeitsschritt eines jeden Autors, der sich „überarbeiten“ nennt, und dabei könnte man noch entscheiden, was drinnen bleiben darf und was aus dem Text raus muss. Fair enough…
- Und schließlich ist das, wovor wir uns fürchten, oft nicht das, wie Leser und Leserinnen unsere Texte wahrnehmen werden. Wir sind zum Glück alle verschieden. Während ich mir also gerade Mut zuschreibe, dass selbst wenn, ich in die Tiefe und Länge gehen würde, es vielleicht spannend und anregend und aufregend zu entdecken wäre, denke ich mir, habe ja noch ein Jahr. Alles easy cheesey. [Geht es hier um geschmolzenen Käse oder Mascarpone?]
