gen Westen – tag 5

Die Reise mit der Zwischenposition.

Was ich als Sandwich Kind gewohnt bin. Ich glaube dabei mittendrin und doch außen vor, ist meine Lieblingsposition , weil vertrauteste.

Jetzt liege ich hier im Zug, oberhalb der Eltern , gegenüber von meinem Sohn .

Der Zug macht alle möglichen Zuggeräusche, die Menschen obendrauf die ihren.

“ I am restful, I am peace.“

Kopfhörer sei bedankt. Wer hat dich erfunden?

nachtgespenster- tag 4

abends um Acht, wird das Licht angemacht.

damit kleine Kinder ohne Gespenster zu Bett gehen können. die Erwachsene hält ihre Hand und bewacht sie.

La lechuza hace Shhh..

vor Erschöpfung einschlafen. Mitten in der Nacht wieder aufwachen. Jetzt geistesgegenwärtig die Entscheidung treffen : wieder einschlafen oder kurz noch etwas lesen? Auf dem Papier oder im weiten, weiten Internet?

Sie wird klug sein, diese Nacht.denn der Tag ist gemacht. Und die Unruhe, die das zappen und wischen und blink blink der Werbung so braucht, wird sich irgendwann überreden lassen und merken, dass Schlaf und Dunkelheit und absolute Stille ein gutes Heilmittel ist gegen Nervosität.

Schlaf ist wichtig
Ohne Schlaf liegen irgendwann am Tag die Nerven blank laufen Läuse unkontrolliert über die Leber, brechen Mini-Vulkane aus, kommen Drohungen und Schimpf aus meinem Mund, die das Gegenüber für den eigenen Grant verantwortlich machen wollen, und als ich sie gehört habe, Jahrzehnte her, als Kind, schon fadenscheinig waren.

„Spiel dich nicht!“ war mein meistgehörter Satz der überforderten Mutter.

welche der vielen Sätze von mir wird bei meinem Kind hängen bleiben?

Ich hoffe, es werden ihm auch die vielen kuscheligen Momente bleiben, dass es nie weggeschickt wurde, wenn es Mitten in der Nacht kam, um unser Elternbett für sich in Anspruch zu nehmen.

Das wird die letzte Nacht für einen Monat sein. Ich darf alleine sein, in der Ferne sein, meine Freundin sehen, sie nicht mit ihrem Krebsdings alleine lassen.

Ich wische es immer weg, winke es ab, wenn andere sagen, viel Kraft! „so nett von dir!“ Nett? Nett? Die Holzhackerin in mir, die es auch gibt, stößt alle mitleiden wollenden zur Seite. Bei Bedarf werden die Ärmel aufgekrempelt.

Es ist so klar für mich hinzufahren und da zu sein. Stark zu sein , oder nein, einfach da sein, wo der andere es nicht mehr kann, für den Moment, für den Moment.

Vielleicht ein bisschen mitweinen, ruhig werden, etwas finden, was Gemeinsames zum Lachen, Erlebtes und uns Zustoßendes.

Bissl Tee kochen. (alles, was der Magen behalten kann.)

Ich reise an mit einem ganzen Koffer an Entspannungstools, für mich, denn es könnte hart werden. In mir spüre ich schon den tiefen Spalt der sich geöffnet hat, wo alle meine Nachtgespenster als Kind, bislang gut verwahrt blieben.

Und ich war ein sehr ängstliches Kind ! Sehr ängstlich.

Ich fürchte mich, vor dem Hauch des Todes , der Ohnmacht nichts tun zu können. dem anderen , meiner lieben Freundin doch weniger Hilfe sein zu können.

Ich fürchte mich, vor dem Schrecken, der mir tief in den Gliedern sitzt.

Dem Anblick des Körpers, der verdirbt, weil der Mensch seinen Kampf sein lässt, nicht weil er nicht leben will, aber weil er einfach der vielen Kämpfe zu schwach ist. Sein Körper der aufgibt und sagt “ rien ne va plus“ . Der Anblick von … es war heftig.unmenschlich entstellt. Bis zum Tod.

Danach friedlich. Anmutig, schöne alte Frau.

Doch halt! Das ist ein anderes Bett, in einer anderen Stadt und hier sind wir noch lange nicht ! Noch lange nicht! En garde!

Das Leben läuft noch. Wir sind noch im Spiel. Niemand weiß, wann der Sand, das letzte Sandkorn durch die Uhr gelaufen ist.

Ich will glauben, uns bleiben noch viele Jahre. Ich möchte deine weissen Haare sehen. Dein verrunzeltes Gesicht.

Ich bin bei bei dir und mit dir..und aus. Das ist doch schon gut! Ich bin eine gute Verteidigerin des Lebens. Das wird schon. Danke , gute Nacht, es tut gut meine Ängste zu teilen, sich nicht allein zu fühlen.

So ist das Schreiben, die Äußerung wohl auch so etwas wie ein Bett, wo wir Erwachsenen hingehen dürfen, wenn wir einen Albtraum hatten. Alles gut, wir sind noch da. JA.

Und unser Kind, unser Sohn, er wird sein Bett haben, wo er sich verkriechen kann und anschmiegsam sein. Ein sehr warmes, weiches. Erleichterung, genug Ressourcen für Umsorgen in alle Richtungen. Verstreut euch! Allez!

nenne etwas, was die meisten Menschen nicht verstehen – tag 3.2

  • Witze.
    weil es so viele gibt und wir so vielfältig sind.
    und ich frage mich immer, wieso kennt man nie den Urheber, die Urheberin eines Witzes. dieses Rätsel möchte ich wirklich mal lösen. wer hat wann in welcher Situation das erste Mal einen Witz erzählt? wer hat ihn gehört? magic moment!
Foto von Bruce Dixon auf Unsplash
  • wie schön sie sind. als Menschen. ohne Wenn und Aber. wie wertvoll.
  • trading – mindestens mehr als 60% der Trader verlieren an der Börse. nur wenige sind profitabel. Stopp-Loss, Leute!
  • dazu passend, das Schnelle Geld gibt es nicht für die Meisten. doch, für die, die es dir wegnehmen. aber das sind die Wenigsten.
  • Klimawandel. sie ahnen vielleicht etwas. aber verstehen? sehr komplexes Thema. ich zähle mich dazu.
Foto von Nick Fewings auf Unsplash

die körper in der stadt – tag 3

Bewertungen – Spieglein, Spieglein auf der Mauer

Es gibt Tage, da begegne ich den anderen Menschen in der Stadt und alle sehen irgendwie komisch, krank oder hässlich aus. Wenn ich meine Umgebung als hässlich erlebe, weiß ich schon, dass meine Grundstimmung grad wohl auch nicht die Beste ist.

Es gibt Tage, da sieht man, da sehe ich nur lächelnde Menschen, an jedem zweiten fällt mir etwas auf, das mich fasziniert. Sätze von Komplimenten tauchen auf, im Vorbeigehen. Halbsätze, die nicht über meine Lippen hinaus dringen- wann werde ich mutig genug sein, sie raus zu lassen? In der Zwischenzeit entzücken sie mein Herz und bringen mich zum Lachen.
Momente der Verbundenheit in der Stadt.

Witze und Komplimente

Der Mut, jemanden Fremden etwas Nettes zu sagen, manchmal spürte ich, in Momenten, als ich tatsächlich etwas sagte, dass das Gegenüber irritiert war und meine Zugewandtheit sich dann doch unecht oder einsam angefühlt hat, weil unbeantwortet. Die Gabe der Spontanität, so viele Fettnäpfchen säumen ihren Weg. Spontane Witze. Sehr schwierig.
Die Feuerwehr fährt mit 5 Fahrzeugen mit Signalhorn am Spielplatz vorbei und du sagst im Vorbeigehen zu einer Gruppe ernst drein schauender Mütter: „Wer von uns hat jetzt wohl den Herd angelassen?“ Verständnislose Blicke. OK, war nicht so witzig. Aber irgendwie schon, oder?
Oder auch ein Missverständnis? Dein Gefühl von Verbundenheit ist nur eine Projektion? (Ich muss noch darüber nachdenken, was mich jetzt gerade daran so festhalten lässt.)

Ausweichen und Asynchronizität

Und manchmal trifft man Menschen, und fühlt sich unbehaglich. das sind kleine Momente, wo in mir wie kleine Alarmlämpchen angehen, ich nach Kontrolle suche. Nach außen hin natürlich Poker face. vielleicht versteinerter Gesichtsausdruck, der Unnahbarkeit suggerieren soll. Ich glaube, meine Lichter gehen an, wenn irgendwas im Körper meines Gegenübers sich asynchron Ausdruck verleiht. das kann der Tonfall der Stimme sein, die Geschwindigkeit des Redens, der Ton, der gegen Satzende an Melodie verliert, nur eine kurze Atempause macht, um dann mit Staccato den nächsten Satz anzufügen und ein Redeschwall auf mich einhergeht, wo mein Gehirn nur Zeit hat, mitzudenken, aber nicht den Sinn zu begreifen. So schnell ploppen die Gedanken des Gegenübers heraus.
Es kann ein ausweichender Blick sein, oder ein schief geneigter Kopf, wie bei einer hängenden Marionette.
Ich suche dann in mir, wenn das Gespräch unausweichlich ist, oder man nicht gleich aus der Situation kann, etwas, was mir Halt gibt. Ich würde zum Beispiel nichts konsumieren, angenommen, ich bin im Kaffeehaus, das mich meinerseits wurlig macht und aus dem Lot bringt. Starker Kaffee zum Beispiel. Auf der Straße angehalten, mache ich einen Schritt nach hinten. Wenn mich mein Kind begleitet, lege ich den Arm um seine Schulter und achte darauf, dass es in meiner Nähe bleibt und ich es durchmanövriere. An einer kiffenden Gruppe von Halbwüchsigen vielleicht, die am Spazierweg stehen, gehe ich außen herum und nicht durch, wobei ich Kiffer nicht als Bedrohung wahrnehme.
Ich merke nur, es gibt viele Menschen, besonders in der Stadt, im dicht bedrängten Raum, die neben sich stehen, teils depressiv, teils aggressiv, teils abwesenden Eindruck vermitteln, mit deren Energie ich nicht überschwemmt werden möchte. Vielleicht, weil ich selber diese Zustände kennen, wie es ist, nicht ganz bei sich zu sein. Das merke ich, wenn ich nach einem Arbeitstag vor dem Bildschirm, einmal in der Woche Yoga und Franklin gehe.

Loslassen – plötzlich Körper

Das Steißbeinschwänzchen – Darstellung von Henry Vandyke Carter, Public domain via Wikimedia Communs


Zuerst steht man ruhig da für eine Minute, das ist schon schrecklich, plötzlich fühlst du deine Unruhe, der Kopf möchte das Kommando übernehmen, erzählt dir alles, was du heute nicht geschafft hast, rätselt über Weltpolitik und akute Krisen, von denen wir scheinbar ohnmächtig umgeben sind. Dann gehst du deinen Körper von den Fußsohlen bis zum Kopf durch, beobachtest, wie du da stehst. Spürst du mehr deine Innenkanten, oder doch eher die Außenkanten? Den Ballen oder die Ferse? Dein Fußgewölbe? Sind deine Knie durchgestreckt oder locker? In welche Richtung schaut dein Steißbeinschwänzchen? Bis wohin ging eben noch dein Atem? Meistens bis zum Zwerchfell. Etc. Etc.

Am Anfang ist diese Übung sehr anstrengend, alles zu beobachten ohne es zu bewerten, nämlich. Aber nach mehreren Malen, vielen mehreren Malen, Wochen Training, merkt man tatsächlich, dass dieses abchecken der Körperhaltung und Regionen eine Art von Check-In in den eigenen Körper darstellt.

Dann wird drei Minuten geschüttelt. Dann gehst du ein paar Runden durch den Raum, auch rückwärts. Schon merkst du, dass deine Fußsohlen sich im Gehen abrollen. Dann wird eine Übung speziell mit einem Körperteil gemacht, beispielsweise nur das Abklopfen des Oberkörpers. Am Ende der Übung gehst du wieder durch den Raum, plötzlich merkst du, dass dein Becken sich mit bewegt, und deine Hüften rollen. Du spürst eine Verbindung zwischen Unterkörper, Oberkörper, dein Kopf denkt jetzt nicht mehr er sei Alleinherrscher, sondern du fühlst dich geerdet, angekommen, in deinem Körper präsent. Ruhig und heiter.

Nach 2,5 Stunden Training und Yogaübungen, spüre ich nicht nur meinen Körper, sondern bin so ruhig, dass manchmal unvermittelt Emotionen da sind, plötzlich bin ich traurig, manchmal begleitet von einem konkreten Gedanken. Das fühlt sich erst Mal unangenehm an. Ich nehme es an. Vielleicht kullert eine Träne. Ich lasse es einfach zu und das geht von selbst wieder weg. Die anderen Teilnehmer um mich herum, ich kenne sie schon so lange, dass wir keine Scham voreinander empfinden. Manchmal furzt jemand, manchmal hört man das Schnarchen und Grunzen, in der Endnachspürphase. Ja und, wir sind alle keine Götter! Wir sind Menschen, mit allem was dazu gehört.

Gesänge in der Nacht – Ich und Du


Die Nachhausewege sind das schönste und entspannteste, was ich in der Stadt erlebe. In einer Art Flow gehe ich nach Hause ( eine Stunde). Ich bin ganz bei mir und gleichzeitig offen für meine Umgebung. Die Stimmung und die Vielfalt des nächtlichen Getümmels fühlt sich schön an. Ich lächle viel, manchmal singe oder pfeife ich. (Daran könnt ihr mich erkennen). Das Leben kommt mir dann vor wie ein Geschenk. Banaler Gedanke, eigentlich, aber wie oft am Tag empfinden wir das im Alltag? Berührt uns dieser Gedanke? So sehr beschenkt zu sein.




liste von schreibhilfen

dies wird eine Liste, die nach und nach ergänzt wird, mit mir nützlichen Schreibtools

Musik zum Schreiben

Musik als Begleitung ist sehr individuell. Ich verwende gerne Instrumentalmusik, weil ich da keine Wörter mithören kann und meine Gedanken ins Fließen kommen können. Der Musikstil kann sich auch unterscheiden, je nach Genre und Tagesverfassung.

Eine kleine Auswahl hier (tbc – to be continued)

trifft ein Pferd auf einen Hund – tag 2

es war einmal ein Pferd,
es war einmal ein Hund, der schimmerte.. pure Freundlichkeit.
der Hundeblick, er hätte ein Dackel oder ein Pudel sein können, aber er war eine außergewöhnliche Mischung, schwierig zu sagen, welche verschiedenen Hunde daran beteiligt waren.
er wollte unauffällig wirken, gut versteckt hinter einer Brille. als er sein Maul öffnete, offenbarte sich ein Witz, den das Pferd immer gesucht hatte auf der Welt. er war messerscharf (direkt und auf den Punkt), Wanzen-furzig (frech, unerwartet und etwas anrüchig), und Meerestief sanft im selben Moment. (tiefgründig und intelligent) und auch wenn er harmlos erschien, schimmerte da ein tiefer Grund.

hallo. sagte der Hund.
hallo sagte das Pferd.

Pferde tauchen nicht gerne, fallen nicht gerne, auch wenn es passiert. sie jagen und springen und laufen davon. dabei können sie sich so grazil bewegen wie griechische Götter-Balletttänzer und so massiv durcheinander fliegen wie weiße Plastilin-klumpen.

hallo sagte der Hund.
hallo sagte das Pferd, schon wieder da?
natürlich sagte der Hund. wir sind Freunde fürs Leben, das ist doch klar. er strahlte selbstsicher vor sich hin.

das Pferd wunderte sich. nanu?
Freunde? so schnell?
keine Sorge sagte der Hund. wir haben ein Leben lang Zeit.

das Pferd war irritiert aber erfreut.
es fühlte sich frei zu entscheiden, wann es selbst dem Hund seine Freundschaft anbot.

jeden Tag stellte der Hund sich an die Koppel, sah dem Pferd bei seinen Sprüngen zu. das Pferd schnaubte, sprang, abenteuerlustig manchmal über den Zaun hinüber. doch immer wieder kam es zurück. es brauchte seine Koppel.

überall hingehen zu können. fähig, jeden Grashalm zu untersuchen und getrieben von der Sucht nach Geschwindigkeit und den Widerstand des Körpers gegen den Wind und im Raum zu spüren und zu überwinden. es brauchte die Weite.

der Hund war auch unterwegs. seine Pläne verfolgen, aufspüren, denn er hatte eine hervorragende Spürnase und fand für alles Wege. und wo er auftauchte , hatte er was zu erzählen. deswegen war er ein beliebter Weggefährte von vielen Tieren. er kannte sich einfach aus. mit seiner frechen Schnauze. außerdem war er sehr entschlossen.

nach den Abenteuern im Schutz der Koppel übernachten. ein gutes Gespräch mit dem Hund führen.
sich die Bilder der Ausflüge und Wege erzählen.

gemeinsame Wege. Ausflüge. sich trennen. Hundehütte. Koppel.
ankommen.
beim Hund. dann der Koppel.

bis schließlich eines Tages, es zu dem Zaun hintrat.
das Pferd ließ es sich lange nicht anmerken, aber es fühlte sich wohl und ruhig.
na gut, grinste es und wieherte. Freunde. passt für mich.

der Hund grinste auch.
natürlich, er hatte es gleich gewusst.

Emil und Luisa #2

Lieber E. !

E wie Esel? An wen darf ich mich wenden? Warum mussten Sie – Ihre Gefühle sichtlich in Wallung gebracht – unser braves Dienstmädchen mit einbeziehen? Jetzt trägt sie die schwere Last des Geheimnisses mit sich herum, kann ihrem Hausherren nicht mehr offen ins Gesicht blicken!

Zu ihrer dreisten Äußerung, und ihrem Wunsch nach Begegnung, möchte ich Ihnen entgegnen: Schminken Sie sich das ab! Ich wünsche keinerlei Kontakt. Es wird uns wahrscheinlich nicht ganz glücken, uns nicht in Gesellschaft zu begegnen, aber dennoch möchte ich sie höflich bitten, von jeder privaten Unterredung Abstand zu nehmen. Genau, halten Sie einfach Abstand und besorgen Sie sich ein Poesiealbum, um ihre geheimsten Wünsche auszudrücken. Haben Sie mal die Anzahl dieser Büchlein in Ihrer Umgebung gezählt? Jetzt können Sie sich ausmalen, was dahinter steckt. Alles Gute damit!

Luisa

was auch immer ist – tag 1

Na, das war aber eine kurze Challenge, bei der ich jede Woche täglich zu einem Thema schreiben wollte! Sie dauerte 2 Wochen. Und jetzt befinden wir uns bereits in Kalenderwoche 13 des Jahres 2023.

Ich schreibe heute mit einem neuen Plan für mich. Denn ich gebe es zu. Ich bin nicht erfüllt, nicht von 3 Nächten hintereinander Netflix Serien schauen, nicht von online Spielen, nicht von meinem beruflichen Projekt, das sich sogar mit Nachhaltigkeit beschäftigt, schon gar nicht von der Unordnung in meinem Leben und der aktuellen Unfähigkeit meine Steuererklärung zu machen.

Seit dem ich schreiben kann, wollte ich immer schreiben. Und alle, die mich länger in meinem Leben begleiten, sagen zu mir, schreib doch was! Ja, das schreiben, die große Lust, die ich verspüre, wenn meine Finger über die Tastatur huschen, oder Linien auf Papier entstehen… Ich liebe es zu schreiben. Aber .. aber natürlich folgt zugleich ein ziemlich großes „Aber“. „Aber worüber kann ich schreiben?“ Ich lebe ein gutes Leben. (Definiere „gut“). Ich hatte das Glück privilegiert aufzuwachsen, sprich, einigermaßen gut Liebe bekommen, behütet, Geld war kein Thema, weil vorhanden, Schulbildung abgeschlossen. Gewalt in der Familie nicht vorgekommen, auch wenn jede Familie ihre eigenen Themen hat. (Damit könnte man, aber ich will nicht, nicht mehr, sich endlos beschäftigen, mit den eigenen Familienmustern auseinandersetzen…) Keine Existenzbedrohlichen Situationen, ok, fast keine, in der Vergangenheit. Keine Drogen, Mager-oder Alkoholsucht. Fast ausschließlich nette Partner an meiner Seite und wenn die Arbeit nicht passte, war ich nach ein paar Monaten raus. Inzwischen bin ich glücklich verheiratet, mein Mann und ich lieben uns, ich habe ein Studium abgeschlossen, einen interessanten Job und ein über die Maßen von uns geliebtes Kind. Wir können heizen, gut essen und sogar verreisen. Wir empfinden Freude und Dankbarkeit. Wir haben Freunde. Meine Eltern leben noch.

Das einzige, was nicht passt an meinem Leben, ist dass ich ein Leben unter meinen Verhältnissen lebe. Jemand, der materiell alles hat und trotzdem nicht nach den Sternen greift. Finde den Fehler!
Es geht um Emotion. Man kann wohlhabend sein, und sich trotzdem nicht reich fühlen. Ich glaube, genug Geld am Konto, ist allein kein Indikator für Reichtum. Reichtum ist, was du dir in deinem Leben ermöglichst, mit welchen Abenteuern du es füllst. Und diese Vorstellungskraft, was du erreichen möchtest, was du alles entdecken möchtest, die Entscheidungsfreude, denn Entscheiden will gelernt sein und schließlich der Mut, die Dinge zu tun und der Wille auch dran zu bleiben, wenn es sich mal nicht gut anfühlt, das ist erfüllend.

Was mir immer fehlte, war die Selbstdisziplin, Ich glaube, es beruht auf mangelndem Selbstvertrauen. Oder sich selbst zu wenig zumuten.

Deswegen besteht meine Übung für das ganze Jahr darin, täglich 10 Minuten zu schreiben. Und es ist egal zu welchem Thema. Aber einfach, sich diese 10 Minuten Zeit nehmen. Das ist nicht viel. Aber es geht mir um die tägliche Routine. Und wer es schafft ein Jahr lang täglich zu schreiben, sich diese Zeit zu nehmen für sich, der hat schon etwas geschafft.

Und zu der Frage, „worüber lohnt es sich zu schreiben?“ , habe ich auch eine Antwort.
Alles, das du wert findest, das es erzählt wird, ist es wert geschrieben zu werden. Und jeder Text, mit der nötigen Hingabe und Sorgfalt, geschrieben, wird einzigartig sein, weil niemand, genau niemand, die Dinge so erzählen kann, wie du. Du bist einzigartig!

Wochen Challenge #2

Das hat gut geklappt, oder ? Die letzte Woche Challenge ! Mir hat es jedenfalls sehr geholfen, Klarheit zu gewinnen und Fokus zu halten für die Dinge, die mir wichtig sind.

Diese Woche geht es um ein Gefühl, das ich näher betrachten möchte, das sich trotz allen Vorwärtskommens eingeschlichen hat, das Bedauern. Die Reue, eine gewisse Traurigkeit wenn ich mein Leben betrachte.

Diesen Momenten möchte ich diese Woche auf konstruktive, freundschaftliche Weise meine Aufmerksamkeit schenken . Hört euch  meinen Plan an! ( Ihr LeserInnen in der imaginierten Realität – kommt heraus aus euer Verborgenheit!)

Hier also die Aufgabe für die kommende Woche .  Du brauchst dafür mindestens 10 min.

Nimm dir die Zeit und setze dich wieder hin, stelle dir den Timer auf 5 min und schreibe folgenden Satz Anfang auf:

Ich bedaure, dass…“ oder

Ach, hätte ich doch..“

beende einen dieser beiden Sätze einfach, was dir in den Kopf kommt. Ohne  zu urteilen, ohne lange nachzudenken. Alles darf sein. Nach dem 1. Satz wiederholst du den gleichen Satz, wieder und immer wieder. Am Ende der 5 Minuten wirst du eine ganze Reihe von Bereuungs- Sätzen stehen haben .

In den nächsten 5 Minuten ( Timer stellen ), pickst du dir einen Satz heraus, der, der dich am meisten anspricht und schreibst ihn nochmal auf. Und schreibst in einer neuen Zeile im nächsten Satz

“ Heute bin ich hier und brauche …“ wieder ergänzt du den Satz. Immer und immer wieder. Am Ende der 5 Minuten hast du eine Liste mit vielen Bedürfnissen stehen.

Was kannst du heute tun, um eines deiner aufgetauchten Bedürfnisse zu stillen? Welches könnte ein erster , guter Schritt sein? Deine Vergangenheit kannst du nicht umkehren, aber für jetzt und die Zukunft einen neuen Weg wählen. Wähle wieder einen Satz und schreibe als Abschluss der heutigen Sitzung mit dir selbst:

“ Ich verstehe, dass ich … [bitte ergänzen] brauche und ich [was tust du?] .. als ersten kleinen Schritt, … .“

z.B. wenn du als dein Bedürfnis Nähe erkannt hast, dann könntest du zum Beispiel schreiben.
Ich verstehe, dass ich Nähe brauche, und werde als 1. kleinen Schritt eine gute Freundin anrufen.“

Wenn dir nichts einfällt, dann schreibe dir auch hier eine Liste: Wie kann ich Nähe und Beziehung in meinem Leben leben. 5 min Timer und los schreiben.

Na gut, das waren eine Menge an Wörtern, aber ich hoffe, die Übung fühlt sich in der Durchführung ganz einfach an. Wenn es sich für dich stimmiger anfühlt, kannst du den 1. Satz auch nur am ersten Tag der Woche schreiben und dann den Rest der Woche deine Bedürfnisse davon ableiten.
Der erste Satz eignet sich auch gut, um mieser Stimmung auf die Spur zu kommen. Wenn du dich grantig fühlst und nicht genau weißt, woher kommt es… Probiere es einfach aus, was für dich passt! 🙂 Alles kann und darf sein, nichts muss. Du entscheidest darüber.

Emil und Luisa #1

„Verehrte Luisa!

Ich erlaube mir, ganz frank und frei, Ihnen meine aufrichtigste Zuneigung zu Ihnen, zu gestehen. Ich weiß, daß Sie das in eine unvorteilhafte Lage bringt, aber ich bin immer offenkundig mit meinen Gefühlen umgegangen und so will ich sie jetzt auch nicht verstecken müssen. Ich verstehe, daß Sie, als ehrwürdige Dame und Mutter, die sie sind, kein Risiko eingehen würden, der Ihren guten Ruf, der Ihnen aus gutem Grund anhaftet, gefährdet, oder das Wohlbefinden Ihrer Familie… Aber sollten in einem kleinsten Kämmerlein Ihres Herzens ein Funke an Zuneigung für mich sein, von einer lodernden Flamme wage ich gar nicht zu träumen, lassen Sie es mich wissen. Bitte!


Ihr Ihnen stets ergebener E.“